Das wird ein aufregendes D&D Jahr – die 5te Edition bahnt sich den Weg!
Der perfekte Zeitpunkt, diesen Blog nach einigen Monaten wieder zu reaktivieren! Nach der News vom 09.01., die WotC verlauten ließ, kann man sagen, dass ich doch ziemlich aufgeregt bin. Lange, mindestens seit der GenCon 2011, rumorte die Gerüchteküche. Jetzt hat es sich bestätigt: es kommt die 5te Edition unseres geliebten Rollenspiels. Das Highlight: die Entwicklung wird sehr eng mit Hilfe der Community verwirklicht werden.
Man muss es sich eingestehen: das Welt älteste Rollenspiel hat es zur Zeit nicht leicht. Die aktuelle 4te Edition (seit 2008 auf dem Markt) spaltet die Spielerschaft. Mancherorts herrscht ein wahrer „Editions-Krieg“. Viele bleiben bei einer alten AD&D oder 3.5 Version, wechseln zu Pathfinder oder spielen einen der mannigfaltigen, wie Pilze aus dem Boden schießenden Retroklone (Swords & Wizards, Labyrinth Lord etc.). Wer Heutzutage sagt: „Ich spiele Dungeons and Dragons“ muss auch gleich dazu betonen, was für eine Art D&D er eigentlich spielt. Viele alte Rollenspiel-Hasen machen einen Bogen um die aktuelle Edition, weil die Regeln zu sehr die Spielmechanik betonen würden, es sich zu viele Anleihen bei MMOs nehme, oder weil das Gefühl, ein gutes altes D&D zu spielen verloren ginge. Einige Kritikpunkte hiervon sind durchaus berechtigt. Kämpfe dauern wirklich sehr lange. Dafür sind sie aber auch taktisch ausgereifter spielbar. Das Gefühl mancher Klassen, wie z.B. des Zauberkundigen geht verloren, durch At-Will Powers und dergleichen. Im Gegenzug bringen aber gerade diese Powers eine Einfachheit in das Spiel, so dass es auch blutige Rollenspiel-Anfänger schnell verstehen. Und die Nähe zu bekannten MMOs bietet Anknüpfungspunkte für neue Spieler, die aus dem Online Bereich kommen (so auch aktuell in unserer Gruppe – das klappt sehr gut).
WotC weiß um diese Kluft und versucht sich nun an einer Neuauflage des beliebten Rollenspiels.
Erste Gerüchte einer neuen Edition kamen schon Anfang 2011 auf, als einige für das kommende Jahr angekündigten Produkte gecanceled wurden. Das größte Indiz aber war die Rückholung und erneute Anstellung des berühmten Monte Cook, seines Zeichens Lead Designer der 3ten Edition und Pathfinder. Er war einer der größten Kritiker der 4ten Edition.
Was aber vor der Community und Fans verborgen blieb: schon im Dezember lud WotC renommierte Journalisten von EN-World, The Escapist, CNN, Forbes und der New York Times in ihr Hauptquartier nach Washington. Die Glücklichen durften ein Testspiel mit den ersten groben Regeln der 5ten Edition machen. Sie erfuhren auch, was WotC mit dieser neuen Edition Großes vor hat und was die Marketing-Strategien vorsehen könnten. Leider dürfen Sie über die Spielmechanik noch nichts verlautbaren lassen. Eines wird aber klar: für WotC soll die 5te Edition nicht nur eine weitere neue Edition sein, nein, es soll so etwas wie ein Remake, eine Neuauflage, sein, die Spieler aller bisherigen Edition wieder an einem (Spiel-)Tisch vereinen soll. Auch die unterschiedlichen Spielstile und Schwerpunkte der einzelnen Spielgruppen sollen befriedigt werden. Lösen will man dies, indem man ein Basisspiel herausbringt, das dann modular erweiterbar ist, gerade so, wie es der Meister, oder die Gruppe für nötig hält. Wer rein storytechnisch unterwegs ist, soll genauso Gefallen finden, wie jemand der im Kampf sehr taktisch und ausgeklügelt agiert. Wie das sich auf die Regeln auswirkt und wie das überhaupt gehen soll, ist mir noch nicht ganz klar. Spiele ich in unterschiedlichen Gruppen, muss ich dann alle Optionen kennen? Fest steht für WotC jedenfalls, dass diese neue Edition ein altes D&D-Gefühl wieder zurückbringen soll, das sich gerade ältere und erfahrene Spieler zurück wünschen.
Solch eine Modularität ist ein große Chance, birgt aber auch einige Risiken. Denn es gibt eine Unzahl von Kombinationsmöglichkeiten. Einen guten Artikel dazu, aus Sicht eines Programmierers, gibt Vanir auf Critical-Hits.com. Wie findest man also diese Vielzahl an “Bugs”? Am besten mit einem groß angelegten Playtest. WotC hat vor, die neuen Regeln und Optionen konsequent mit der Community zu testen. Wirklich jeder kann nun bald seinen Senf dazu geben. Natürlich: jeder Wunsch kann damit nicht befriedigt werden. Aber wenn sich WotC für diesen Prozess genug Zeit nimmt, dann kann dabei etwas wirklich Großartiges herauskommen. Seit Monatg kann man sich auf der offiziellen D&D Seite registrieren, um bei diesem Playtest teilzunehmen. Ich hoffe, ich finde in meiner Umgebung eine kleine willige Gruppe, die ein paar Testspiele absolvieren möchte.
Genau diese Community-Verbundenheit hat WotC lange gefehlt. Sie sind meiner Meinung nach absolut auf dem richtigen Weg. Viele Grognards lästern zwar schon wieder, aber sollen die ruhig in ihren langen grauen Bart murmeln. Gerade 2011 war ein wirklich gutes Jahr für D&D. WotC hat bewiesen, dass sie Material im Sinne von Qualität über Quantität herausbringen können – ich sag nur Mordenkainen’s Magnificent Emporium oder Madness at Gardmore Abbey!
Was erwarte ich mir persönlich von der ganzen Sache?
Vor allem Spaß! Ich war noch nie ein Anhänger ausgedehnter “Edition-Wars”, egal welches Rollenspielsystem. Es würde mich freuen, wenn D&D wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt und gleichzeitig diese Anfängerfreundlichkeit, die die 4te Edition bietet, beibehält. Der Großteil meiner aktuellen Gruppe sind z.B. keine alten Hasen. Und ich denke schon, dass 4E sie nun geprägt hat. Ich bin gespannt wie WotC das umsetzen will, einerseits Spieler, die eine Vorliebe für die Komplexität eines Vancianischen Zauberers haben und andererseits Spieler, die sich mit At-Will Powers zufrieden geben, an einen Tisch zu bringen. Genau in solchen Momenten liegt die große Chance, aber auch die große Gefahr. Hoffen, wir, dass die Playtests einen positiven Einfluss auf derartige Probleme haben. Wie gesagt, ich freu mich auf die kommenden Monate. Bis GenCon 2013 ist ja noch ein langer und spannender Weg…


